Spiegelschau
Log 307.86 / 38. Tag des großen Krieges
Es hat gebrannt. Vieler Menschen letzter Wille ist geschehen und woanders fallen die Bomben, zerfetzen unsere Herzen, es gibt keine letzten Worte mehr, die Zeit ist gekommen, zu schweigen.
Auch Zeugen gibt es kaum, wenn es wer erlebt hat, war der Eindruck allerdings dermaßen nachhaltig, dass die Personen einem später völlig anders entgegengentraten. Einmal, es muss fünf Jahre her sein, verfing sich eine klebrige Fliegenfalle in einer Hose, die er zum Trocken im Schuppen aufhängen wollte. Der schnarrende Schrei meines gebrüllten Namens hallte über den Hof, ich war in der Tat vollkommen unschuldig, nicht einmal die Fliegenfalle hatte ich dort platziert, weder die Hose nass gepritschelt, noch ihm gesagt, er solle sie dort aufhängen, einfach verfügbar, als Opfer, und sie hat es gehört, ich glaub, sie hätte sich nicht vorstellen können, dass dieser Tonfall existiert, dass ich angerannt komm, und nach dem 'Rechten' schaue, es war ihr dermaßen zuwider, fassungslos unverständlich, dass sie es später noch lange nicht glauben konnte, warum ich mir so etwas gefallen ließe.
Ich war es nicht anders gewohnt, als mich solcherart behandeln zu lassen.
Das die einzige Verteidigung, die ich zu meiner Entlastung vorbringen kann.
Das Opfer einer schwer narzisstisch gestörten Person, seit ich denken kann, und so wie mir geht es meinem geliebten Europa gerade.
Der Narzisst, in dem Fall ein uralter russischer Mann ohne Schwanz, greift ein modernes Land an, das seine Jugend motiviert, etwas zu leisten, sich aufzumachen, statt Alkohol Wissen zu konsumieren, etwas werden will, ja, träumt von einer besseren Zukunft für alle, die sich anstrengen können und auch dem demokratischen Verständnis, dass man sich kümmern will um die, die das gerade nicht vermögen; und er führt Krieg gegen dieses Land, weil er ein böser, verbitterter asozialer Nazi ist, den niemand liebt und keiner ernst nimmt, und der vor Neid trieft, dass sich die Balken biegen. Und mein geliebtes Europa tattert herum wie ein greises Baby, das kaum mehr oder schon brabbeln kann, weil es die Grundregeln nicht verstanden hat, dass da ein Typ die eigene narzisstische Wunde provoziert, die uns aber nur dann selbst narzisstisch verhalten macht, wenn wir uns provozieren lassen. Wenn wir Kritik nicht als Hilfestellung verstehen, sondern als Angriff gegen unsere Integrität, wenn beleidigte Leberwürste glauben, sie wären Gottes Geschenk an die Menschheit und hätten einzig Rechte, aber null Pflichten.
Darum sagen sie nichts, poltern zurück, innerlich nur mit sich selbst und ihrer ach so schmerzenden Wunde beschäftigt, mimimi, er hat mich kritisiert, was will er denn, wieso, warum, einen Zettel unterschreiben will er, aha, schreibe wir es mal in die Zeitung, ok...
Wo, bitte, ist denn das europäische Selbstwertgefühl und Verständnis hin? In welchen ausgefressenen Erbschaftsbäuchen verbirgt sich die Wut, der Wille, zu kämpfen, das alles, die Demokratie, die Möglichkeiten, die Zukunft für unsere Kinder zu erhalten?
Wollen wir wieder Sklaven werden, ist es das? Damit uns jemand sagt, was wir tun sollen, weil das eigenständige Denken zu mühsam ist? Leibeigene sein, denn das trifft eh nur die Nachbarn, oder ist gar ein bisschen geil, weil dann kann man sich so schön unterwerfen, oder andere unterbuttern, eine gute Idee, nicht wahr, macht es wieder leicht, da sind die Bösen, hier der Gute, und wenn du mich kritisiert, dann räche ich mich in Grund und Boden oder geniesse es, das Opfer zu sein, weil dann brauch ich ja erst recht nichts zu tun, kann mich ausrasten, Schuld sind die anderen, ich nicht, mir wurde das alles getan, aber nein, ändern, ich mich? Nie.
Als ob. Die Augenhöhe, das Annehmen, die Leichtigkeit in all der Schwere, der Flow und die offene Kommunikation, die Möglichkeit, alles zu sagen oder auch nichts, im Gegenteil, es für sich behalten zu dürfen, das wird gerade mit einer kleinen, kokaingeschwängerten Arroganz - Geste geopfert, weil lauter Babys in den Regierungen und an den Hebeln sitzen, die sich entweder haben kaufen lassen, vom Narzissten da, vom Narzissten dort, oder anderweitig profitieren, der drüben golft ein Vermögen weg, während seine Bürger darben, der andere sitzt alleine in seinem Palast, paranoid, allerdings mit Fug und Recht, verheizt tausende junge Männer an Fronten, von jedem Dorf nur drei, damit sich nichts herumspricht, der dritte warnt seine Bürger vor Protesten, sie alle sagen nur mehr PSSST und SSHHH, so laut, dass man ihnen am liebsten ins Gesicht springen möchte und sie einmal herumdrehen, auf den Kopf stellen und ihnen in den Hintern schreien: 'Ihr Säcke habt Euch selbst überholt! Niemand braucht junge Narzissten, niemand braucht alte Narzissten, wir erkennen Euch am feinzigen Geruch tausend Meilen gegen den Wind und mit einmal pusten wär euer Lichtlein aus.'
Aber keiner pustet denen mal gehörig eines!
Warum???
Wir geben alles her, immer mehr und mehr, Vertrauensvorschuss, her damit! Noch eine Chance und noch eine, weil wir auf die Charme-Attacken reinfallen, jeden verdammten Tag aufs Neue. Die immer, wie das Amen im Gebet dann kommen, wenn der Narzisst was benötigt, oder das Gefühl hat, der andere wäre gelassen, glücklich und in seiner Mitte ruhend, bei sich also.
Wie man einen narzisstisch Gestörten erkennt? Mach was gut, irgendwas, lass Dich loben, und wenn es nicht stimmt, dann prüf das aus purer Neugierde und mach es Dir vorab aus mit wem. Mach was erstaunliches und lass dich loben, von dem Nächstbesten, der da ist, und auch wissen will, woran er ist mit dem Verdächtigten. Und dann schau ihn an, oder schau ihr ins Gesicht, im Augenblick, da du das Lob erhältst, gefriert die Person zu Trockeneis. Das ist die Höchststrafe. Im kleinen Narzissten ums Eck wie im Großen im weißen Haus oder Kreml.
Der russische und der amerikanische und der chinesische und der was weiß ich woher auch immer jedenfalls völlig uninteressante Gestörte kann sich nicht freuen, diese Typen freuen sich nicht mit, für die ist es eine persönliche Beleidigung, nahe an der Amputation des besten Stückes, wenn jemand anderes gelobt wird, der nicht in ihrem Zirkel (für die sind alle anderen eh nur Statisten, oder flying Monkeys leider) wichtig erscheint.
Und solche Typen 'beherrschen' uns gerade und beschäftigen uns alle über jede Gebühr, weil wir das zulassen. Die sind nichts als heiße Luft, ein paar kleine Tricks, und einige rote Knöpfe, das sind One-Trick-Ponys, die haben weder die nötige Übersicht, noch irgendeinen genuin kreativen Inhalt, sie mögen nicht dumm sein, klar, aber sie sind Hülle, Fassade, unspannend und leer, ödes Land ohne Funken, ohne Seele, ohne Kern. Und weil wir wissen, dass ganz tief drinnen eine kleine Kerze brennt in jedem, legen wir dauernd nach, noch ein Scheit Verständnis, noch eine ausgestreckte Hand, noch ein Entgegenkommen, noch eine Chance. Wenn sie nur endlich aufwachen würden, wir sind doch so toll, mit unserem Helfersyndrom, wir schaffen das, wir retten die.
Nein, es reicht. Es ist genug. Bis hier hin und nicht weiter. Nicht jedem Gestörten kann man helfen, so traurig das ist. Manche sind lost, und das ist bitter, darüber kann man gut und gerne viele Tränen vergiessen, weil die Lehrer ihren Stoff lieben und sich das auch so gehört, aber wenn der Stoff zu weit geht, wird er sich und seinem Schicksal überlassen. Wenn er in den eigenen Vorgarten scheißt was das Zeug hält, dann ist Schluss mit Lustig.
Was im Falle dieser irren, zersetzenden Kräfte bedeutet, dass wir als Europa jetzt, in diesem Augenblick, damit aufhören werden, und das ist ein Befehl von ganz oben, auch nur noch einen Millimeter zurück zu weichen. Das Gestörte gehört mit aller Macht gebrandmarkt und zerstört. Das Unbelehrbare. Das sich nie entschuldigt, immer wen findet, den es beschuldigen kann, am eigenen Leid verantwortlich zu sein. Das einzig aus eigenem Interesse handelt, weil es so verdammt leer ist innen drinnen. Scheiß drauf, das Volle ist schöner.
Es reicht.
Wir sind mitten im Krieg und wenn es sein muss, werden wir gewinnen. Nicht mit Fliegenfallen, sondern mit dem Ende der Angst vor den Blendern. Einmal pusten, und sie sind weg. Kleine Schweinchen stehen im Regen. Die Mauern gefallen. Dann sieht jeder, wie nackt die Möchtegern-Kaiser eigentlich sind. Und ganz vielleicht rettet die das dann im letzten Augenblick, das allerdings ist nie mehr eine Sorge, die man haben sollte. Man ist schliesslich erwachsen, und ein reifer Mensch, nicht wahr? Jeder für sich verantwortlich. Dann klappt das besser.