Sunday I like
Die Sonne scheint, ich war schon draußen, Semmeln holen, die Vogerln zwitschern und ich habe phantastisch geschlafen. Mein gravierender Eisenmangel hat mir Bauchschmerzen, Kurzatmigkeit und Mundecken beschert, aber jedesmal, wenn die Eisentabletten kicken, fühle ich mich sehr gut.
Über das Wort 'Lebenshunger' gestolpert. Vielleicht ist es das, was ich immer unter Liebe verbuche. Mein unbändiger Lebenshunger. Der Drang nach Gestaltung, Austausch, Veränderung und Wachstum. Ich liebe es, jetzt hier zu sein in meinen eigenen vier Wänden, habe eine richtig nette und wohlige Atmosphäre geschaffen, andere mögen für ihren Ruhestand sparen, ich habe vor, bis ich umfalle am Werkbrett zu sitzen. Insofern ist es nicht nötig, sich darüber Gedanken zu machen. So es meine Gesundheit zulässt, werde ich das umsetzen, ich hoffe sehr, es wird gelingen. Das Gute ist nämlich, auch wenn die Augen schwächer werden, der Rücken krumm und Kraft schwindend, es gibt jeden Tag neue Skills zu lernen, in dem Beruf, ich kann mich stetig verbessern, Dinge anders umsetzen, über neue Wege und Methoden nachdenken, in irgendeine Art von Ruhestand zu treten stelle ich mir elendiglich langweilig vor, wenn ich müsste, würde ich wohl den ganzen Tag durch die Stadt und Museen und Wälder streifen, und nachts dann malen, was ich gesehen und erlebt habe. Mein Lebenshunger ist nicht an Action gebunden, ich möchte nicht Skifahren gehen oder extrem weit reisen, meine Abenteuer sind auf einer anderen Ebene, ich rede extrem gerne mit anderen Menschen, genauso gerne bin ich still in meiner Kammer und geniesse das, was in mir pulsiert.
Gerade erst aufgestanden bin ich schon wieder so müde, ich habe eine wilde Woche vor mir, drei soziale Großereignisse, für die noch viel Vorarbeit zu tun sein wird, zwei davon habe ich maßgeblich initiiert, bin also auch hauptverantwortlich. Das kommt mir gelegen, ich übernehme gerne Verantwortung, das liegt mir.
Am Mittwoch kommt meine Putzhilfe zum ersten Mal, ich bin gespannt, muss allerdings auch für sie noch Vorarbeiten leisten.
Morgen geht die Schule für das Kind wieder los, wir haben angefangen, ein Buch über Lernmethodik zu studieren, das ist wirklich sehr schlüssig strukturiert und da es kleine Happen von zwei bis drei Seiten pro Tag sind, ist er immer noch Feuer und Flamme, die Methodiktreppe mit roten Punkten zu füllen, jeden Tag ein bis zwei für erledigte Aufgaben. Auch ich lerne durch das Buch Dinge, die mir neu sind, über das Lernen, und das ist wirklich spannend.
Zum Sport reicht es wegen Eisenmangel gerade leider nicht, ich gehe die 6 Stockwerke zu Fuss und bin fertig danach, vielleicht schaff ich heute einen Spaziergang oder das Ergometer, ich hoffe das, weiß aber nicht genau. Dem Kind geb ich heute Zeit mit seinen Freunden, auch wenn das bedeutet, dass er vor dem Computer sitzt eine Weile, sie haben Spaß, das kann ich hören, und der nächste Frühling mit vielen Outdoor-Aktivitäten klopft schon an die Fenster. Er ist außerdem auch ein Kopfmensch wie ich, der soziale Austausch durch einen Filter tut ihm manchmal richtig gut, wie mir auch. Der Segen der digitalen Welt, für Menschen wir wir sie sind ist dadurch ein 'normales' Funktionieren im Alltag leicht möglich, da wir unsere Akkus in einer sicheren Umgebung aufladen können, da die Distanz des Bildschirms uns frei macht, zu handeln und uns auszuprobieren. Bei all den Rufen nach social Media Verboten muss man das unbedingt mitbedenken. Ja, ich bin dafür, die süchtigmachenden Algorithmen der Großkonzerne zu verbieten, aber sowas wie das Fediverse, dem null Suchtpotential eigen ist, müsst man dringend ausnehmen. Das ist eine ganz wichtige Basis sich zu vernetzen und Sichtbarkeit zu schaffen, für Outsider, Andersfühlende, die scheinbaren Verlierer der momentanen Gesellschaftsordnung und die gesamten, überaus spannenden Normalos da draußen. Eine Blase ist nicht schlechtes, niemand kann Spezialinteressen ernsthaft abtun als sinnlos oder dumm, sonst dürfte auch keiner zum Herzspezialisten gehen, wenn er Schmerzen hat.
Aber gerade, wenn man emphatisch ist und dazu hochsensibel, ist die Überforderung einer sozialen Situation oft ein Selbstläufer, der sich in einer Abwärtsspirale finalisiert, die bis zum Hikiomori gehen kann. Dagegen hilft das Netz, und wie! Ohne mein Weblog, ohne Euch, ich hätte nicht überlebt und wäre heute nicht gerade so dermaßen glücklich, dass nur die Müdigkeit und die antizipierte Traurigkeit über einen bevorstehenden Verlust mich oft daran erinnert, dass nichts selbstverständlich ist.
Das ist ja auch die schöne Sache an der Gewissheit, dass der Seelenkern unverwundbar ist und bleibt. Wenn man das auf eine Weise herausfinden durfte, die ganz unten angefangen hat, anfange musste, ist das Selbstbewusstsein von einer inneren Demut getragen, die immer durchscheint und deswegen menschlich bleibt. Induzierte Selbstsicherheit, wie hier im Westen gang und gäbe, die hat das nicht, die überschätzt sich auch maßlos, dauernd. Darum bin ich froh, dass das Kind seine Sicherheit in diesem guten Rahmen testen kann, erleben, auch, und es gibt wirklich viele Veränderungen zum Positiven, seine Freude am Gaming hat ihn im realen Leben stärker und zuversichtlicher gemacht, mit Aufgaben und Herausforderungen umgehen zu lernen. Er kann durchhalten, sich bemühen, ohne seine soziale Rolle determiniert zu bekommen, von seiner ökonomischen Realität. Es ist auf gewisse Art und Weise sehr demokratisch. Die Technik-Bro's haben uns das halt gestohlen, mit ihren, einzig auf Gewinn getrimmten Plattformen, das müssen wir uns zurück holen!
Jetzt ist mein Akku leer, melde mich später nochmal.
Salü.